Literatur und Musik im Dialog: Ruth Fruchtman und Heiko Löchel begeistern in Panketal

Mit einem eindrucksvollen Abend voller Literatur, Klangfarben und intensiver Gespräche setzte die Kunstbrücke Panketal e. V. am 7. November 2025 in der St.-Annen-Gemeinde ein Zeichen für kulturelle Tiefenschärfe und menschliche Verbundenheit. 
Nach der Begrüßung durch Thorsten Wirth, den stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins, übernahm der in Panketal lebende Künstler JPBouzac die Einführung. Er skizzierte kurz Ruth Fruchtmans literarisches Werk, das seit Jahrzehnten Themen wie jüdische Identität, polnisch-jüdische Geschichte und den Nahostkonflikt mit großer Sensibilität beleuchtet. Ebenso würdigte er das musikalische Schaffen Heiko Löchels, der zwischen Orchesterszene, freier Improvisation und musiktherapeutischer Arbeit eine bemerkenswerte Spannweite zeigt.
Zeitgeschichte und Gegenwart im Spiegel der Literatur
Im ersten Teil las Ruth Fruchtman rund eine Stunde lang aus ihrem Roman Jerusalemtag. Das Publikum folgte konzentriert den verschränkten Ebenen von privater Lebensgeschichte und politischer Realität. Der Roman, der 1967 einsetzt, thematisiert die Geburtsstunde eines Kindes und den zeitgleichen Einmarsch der israelischen Armee in Ostjerusalem. Fruchtman zeichnete mit klarer Sprache nach, wie historische Zäsuren in Familienbiografien fortwirken, wie Ideale brüchig werden und wie Widersprüche das Leben formen.
Zwischen den Leseblöcken eröffnete Heiko Löchel auf dem Fagott atmosphärische Klangräume. Seine Stücke beschrieb er als „Konzept-Improvisationen“: musikalische Ideen, die an den Text anknüpfen, ihre konkrete Form aber im Moment des Spielens finden. Die Anklänge an Free Jazz verstärkten die emotionale Dichte des Abends.
Nach einer kurzen Pause führte Ruth Fruchtman das Publikum in einen thematisch eng verwobenen zweiten Teil. Sie las Passagen aus ihrem Erzählband Lustmord über eine Reise entlang des Jakobswegs, die das Leid der verfolgten Mauren und die Spuren ihrer Geschichte sichtbar machen. Die Erzählung öffnete einen historischen Resonanzraum, der sich wie ein fernes Echo zum ersten Teil des Abends verhielt: Auch hier standen Vertreibung, kulturelle Brüche und die Frage nach Identität im Mittelpunkt. Fruchtman spannte damit einen gedanklichen Bogen zwischen unterschiedlichen Zeiten und Regionen, ohne den Blick für individuelle Schicksale zu verlieren.
Wie zuvor schuf Heiko Löchel mit seinen improvisatorischen Fagottklängen eine dichte Atmosphäre, die die historischen Bilder und emotionalen Unterströmungen der Texte eindrucksvoll begleitete.
Bewegende Diskussion zum Abschluss
Im Anschluss entwickelte sich eine engagierte und teils emotionale Diskussion. Besonders Fruchtmans kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Formen des Zionismus sowie ihr Blick auf das Leid der Palästinenser stießen auf großes Interesse. Die Gesprächsrunde schloss mit einer gemeinsamen Einsicht, die sich wie ein stiller Leitgedanke über den Abend legte: dass es entscheidend bleibt, Menschen in ihrer Würde wahrzunehmen und selbst menschlich zu handeln – gerade in aufgewühlten Zeiten.
Die Kunstbrücke Panketal dankt allen Beteiligten für einen Abend, der Literatur und Musik nicht nur nebeneinanderstellte, sondern miteinander verwob und dem Publikum einen intensiven kulturellen Impuls schenkte.
 

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